Karten zeigen alle tödlichen Unfälle seit 2018

Etwa alle zwei Wochen wird auf Berlins Straßen ein Mensch getötet, der zu Fuß unterwegs ist - erschreckende 26 waren es bis zum 17. Dezember 2019. Besonders gefährdet sind alte Menschen; besonders gefährlich sind Kreuzungen mit und ohne Ampeln, wo abbiegende Autofahrer das Vorrecht er Fußgänger missachten. Auffällig häufig sind auch Unfälle, bei denen Fußgänger zwischen parkenden Autos auf die Fahrbahn treten mussten, sie und die Autofahrer sich also nicht rechtzeitig sahen – vor allem dann nicht, wenn die Fahrer schnell unterwegs waren.

Besonders stark betroffen sind Senioren: Sechzehn der 2019 Getöteten waren über 60 Jahre alt, davon vierzehn über 70 und fünf über 80 Jahre alt.

Karte 2019

Karte 2018

Ein statistischer Hinweis: Wir zählen alle, die zu Fuß unterwegs waren und dabei auf der Straße umkamen. 2019 sind zwei der von uns gezählten Opfer nicht in der Polizeistatistik enthalten: einer, der beim Überfahren der Fahrbahn zusammenbrach und dann überfahren wurde, sowie einer, der auf dem Wegzum Auto war, in das er steigen wollte.

Um Leben und Gesundheit der Menschen in Berlin zu schützen, fordern wir:

1. Der Fahrzeugverkehr muss entschleunigt werden. Wo Menschen zu Fuß und zu Rad Fahrbahnen kreuzen und benutzen, muss Höchsttempo 30 gelten.

2. Kreuzungen sind generell falsch gestaltet und gesteuert. Wichtigstes Ziel der Verkehrsplaner ist die Maximalkapazität für Fahrzeuge, nicht die Sicherheit für alle. Schwere Unfälle sind unvermeidlich und ins System eingepreist. Hart ausgedrückt: Unser Verkehrssystem fährt hier über Leichen.
Überkomplexe Orte mit mehreren Abbiegespuren und gleichzeitigem Grün für Fußgänger und abbiegende Autos müssen vereinfacht werden, damit die Wahrscheinlichkeit tödlicher Irrtümer sinkt. Vor allem müssen an unübersichtlichen Kreuzungen und Einmündungen mit Ampeln die Grünphasen entzerrt werden. Dies fordert die renommierte Unfallforschung der Versicherer vor allem für Linksabbieger (PKW und LKW) an solchen Orten: „Die Verpflichtung zur Einrichtung separater Phasen für Linksabbieger sollte bei bestimmten Rahmenbedingungen, wie z. B. eingeschränkte Sichtverhältnisse oder hohe Verkehrsmengen, verbindlich eingeführt werden.“ (Quelle hier S.14). Größte Sicherheit für Fußgänger gibt das „Rundum-Grün“, bei dem erst die Fahrzeuge in verschiedenen Richtungen Grün haben und dann alle Fußgänger, auch diagonal über die Kreuzung. In Berlin gibt es das nur an der Friedrichstraße/Kochstraße am Checkpoint Charlie, weltweit an sehr großen Fußgängerkreuzungen wie dem Oxford Circus in London mit 80.000 Passanten täglich und der Shibuya-Kreuzung in Tokio mit angeblich bis zu 2.500 Fußgängern in einer einzigen Grünphase (mehr hier).

3. Am Straßenrand und auf den Gehwegen gibt es zu viel Mobiliar  und parkende Autos – manche formal korrekt und viele falsch, vor allem an Kreuzungen und Einmündngen. Es stehen immer mehr breite und hohe Fahrzeuge da, vor allem SUVs und Lieferwagen.

4. Viele Gehwege sind schlecht ausgeleuchtet. Autofahrer sehen Fußgänger erst auf der Fahrbahn. Hier fordern wir eine grundsätzliche Umkehrung: Beleuchtet werden muss vor allem der Teil der Straße, auf dem Menschen ohne Scheinwerfer unterwegs sind – also der Gehweg.

5. Die Sicht aus Lastwagen und Bussen ist völlig unzureichend. Aus der Führerkabine vieler LKWs sieht man nicht einmal Fußgänger direkt vor dem Fahrzeug. Hier braucht es nicht nur Abbiegeassistenten, sondern umfassende Sicht- und Warnsysteme, damit Lastwagen nicht halb blind durch unsere Städte fahren.

 

Hier für 2018 eine Übersicht über Orte und Fälle

Abbiegender LKW oder PKW

4   Kottbusser Tor
6   Karow
11 Hauptstraße
12 Marienfelder Chaussee

Zebrastreifen

5   Bohnsdorf
10 Fürstenwalder Allee

Bei Fußgänger-Grün

6 Karow
12 Marienfelder Chaussee

Auf dem Gehweg

10 Kantstraße
20 Prinzenallee